(Notiz-)BLOG
Orange als persönliche Wandlungsfarbe – Farbpsychologie, Sichtbarkeit und Kontext
Orange ist eine Farbe, die kaum neutral bleibt. Sie fordert Haltung heraus, erzeugt Reibung, ruft Assoziationen hervor – und genau darin liegt ihre Kraft. In kalten Winterwochen habe ich mich bewusst dieser Farbe zugewandt, die Wärme verspricht, ohne sich aufzudrängen, und Sichtbarkeit schafft, ohne laut zu werden.
Lange Zeit hatte ich selbst eine regelrechte Orange-Sperre. Zu viele Bilder von „öko“, mediterraner Schwere, Unentschiedenheit. Orange schien für mich weder Fisch noch Fleisch – und ästhetisch schwierig. Erst durch meine jahrelange Arbeit mit Pantone-Farben begann sich dieses Bild zu verschieben. Begriffe wie Sunset Orange, Tigerlilly, Saffron, Marigold oder Peach Fuzz öffneten einen differenzierteren Blick: Orange ist nicht eine Farbe, sondern ein Spektrum – voller Übergänge, Nuancen und Beziehungsmöglichkeiten.
Ein Blick zurück zeigt, wie sehr Farbe immer auch Zeitgeist spiegelt: Peach Fuzz (Pantone 13-1023), die Pantone Color of the Year 2024, bewegt sich zwischen Orange und Rosé. Pantone beschreibt diesen Ton als Ausdruck von Nähe, Sanftheit und Wärme. In Design, Mode und Psychologie tauchen Begriffe wie Verbundenheit, emotionale Balance und taktile Qualität auf. Orange erscheint hier nicht als Signal, sondern als Einladung.
Dass Farben ihre Wirkung nie isoliert entfalten, beschreibt die Colour-in-Context Theory sehr treffend. Sie geht davon aus, dass Farbe erst im Zusammenspiel mit Kontext, Kultur, Situation und persönlicher Erfahrung Bedeutung gewinnt. Orange wirkt im öffentlichen Raum anders als im privaten, im medizinischen Kontext anders als im kreativen. Sichtbarkeit ist dabei kein Selbstzweck, sondern Antwort auf eine Aufgabe.
Vielleicht erklärt das auch, warum Orange weltweit dort eingesetzt wird, wo Menschen gesehen werden müssen – in Warnkleidung, Rettungswesten, Bojen oder bei der Berliner Stadtreinigung. Orange bleibt selbst in der Dämmerung präsent, wenn andere Farben verblassen. Nicht aggressiv wie Rot, sondern funktional, aktivierend und erstaunlich ruhig. Die BSR verbindet diese Sichtbarkeit seit einigen Jahren mit Humor und Sprache – eine Kombination, die Nähe schafft und Wirkung entfaltet, ohne zu belehren.
Orange begegnet uns jedoch nicht nur im Außen. Auch auf unserer Haut zeigt sie sich – als sogenannte Orangenhaut. Die kleinen Dellen wirken wie eine natürliche Schale: Glatte Stellen lassen Licht abperlen, Vertiefungen brechen es anders. Sichtbar, lebendig, individuell. Vielleicht ist genau das eine schöne Parallele zur Farbe selbst: nicht perfekt, aber präsent. Nicht glatt, sondern in Beziehung.
Und manchmal zeigt sich Orange dort, wo man sie kaum erwartet. Wenn ich in meinem zweiten Beruf über den Wolken unterwegs bin und das Flugzeug die Wolkendecke durchbricht, liegt plötzlich ein warmes, orangetöniges Licht über allem. Trotz Technik, Lärm und Geschwindigkeit entsteht ein Moment von Ruhe. Sichtbarkeit trifft hier auf Weite – und Orange auf Leichtigkeit.
Orange als persönliche Wandlungsfarbe bedeutet für mich heute nicht mehr Reiz oder Ablehnung, sondern Bewegung. Ein Dazwischen. Ein Übergang. Und die Einladung, gesehen zu werden – auf die eigene Weise.
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